Interview mit PADI Course Director Ulf Mayer Übers Tauchlehrer Werden & Co

Autor: Christian Hubo, Feel4Nature

Als PADI Course Director hat Ulf die höchste Karrierestufe eines Tauchlehrers bereits erreicht. In diesem Interview erfährt Christian Hubo wie ein typischer Tag als professioneller Taucher abläuft.

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1. Wann hast Du mit dem Tauchen begonnen und wie kam es dazu?

Irgendwann in den 90er Jahren kam ich zum Tauchen, und zwar so, wie die meisten anderen auch: während eines Urlaubs, als der Strand, das Hotel, die Tagesausflüge irgendwann zu langweilig wurden und genau in diesem Moment einer da stand und fragte „Willst du nicht mal hier im Pool das Tauchen ausprobieren?“.

Es folgten ein spaßiges Schnuppertauchen und dann schließlich der OWD.

Danach war ich infiziert: Es folgte Tauchurlaub auf Tauchurlaub, Weiterbildung und irgendwann die Ausbildung zum PADI Divemaster und – verbunden damit – die aktive Mitarbeit in einer Tauchschule.

2. Hattest Du von Beginn an die Idee den Tauchsport auch zu Deinem Beruf zu machen?

Nein. Aber tatsächlich war es so, dass ich mit meiner damaligen Freundin (und heutigen Frau) am Abend des ersten Freiwassertauchgangs mit unseren Büchern auf dem Bett lag und wir uns überlegten, dass es eine spannende Idee wäre, dieses unbeschreibliche Erlebnis irgendwie in unsere Jobs einfließen zu lassen.

Damals war ich Strategischer Planer in einer Werbeagentur und sie war Trainerin.

Natürlich dachten wir nicht im Traum daran, einmal Tauchlehrer zu werden. Eher eine Integration – ähnlich wie ich es heute anbiete, indem ich taucherische Elemente in Team- und Kommunikationstrainings für Unternehmen einbeziehe.

3. Wie kam es zu der Entscheidung eine eigene Tauchschule in Essen zu eröffnen und welche Erfahrungen hast Du damit gemacht?

Es war eigentlich nie wirklich mein Wunsch oder mein Ziel, eine Tauchschule in Essen zu eröffnen. Es hat sich damals einfach so ergeben. Eigentlich wollte ich damals tauchen und von meinem „alten Leben“ als Manager in der Werbeindustrie Abstand gewinnen.

Und auf einmal hatten wir dann eine Tauchschule und waren auch noch erfolgreich damit. Wir wurden in kürzester Zeit ein PADI 5-Star Center und haben hunderte Tauchschüler ausgebildet.

Meine Erfahrungen damit… ich würde es in dieser Form nicht mehr machen. Zu viel Handel, zu viel Wettbewerbs-Gezänk, zu wenig Tauchen, so wie ich es verstehe. Essen ist ideal für IDCs. Wir haben einen Flughafen nahebei und die Kurs Versorgung ist toll.

Tauchen meiner Meinung nach ist auch ein Lifestyle – und den in einer Tauchschule mitten in Deutschland zu leben ist nicht so einfach. Ich kenne wirklich nur wenige, die das hinkriegen – mein Freund Frank mit Franks Divecenter in Mülheim ist so ein Tauch Enthusiast.

4. Was war der Anlass dann nach Thailand zu gehen und dort ein Dive Center zu eröffnen?

Um ehrlich zu sein, war es zunächst gar nicht der Plan, nach Thailand zu gehen und ein Divecenter zu eröffnen. Eigentlich sollte es nach Tanzania gehen, das Visum war schon im Pass und eine „Afrika-Abschiedsparty“ mit Freunden hatte schon stattgefunden.

Und dann erreichte uns ein Anruf von einem Freund aus Thailand, dass der ehemalige PADI AP Regional Manager, Rick Ray ein „Management-Couple“ für ein neues Dive Center in einem High-Class-Hotel auf einer wunderschönen Insel von Phuket -Koh Racha Yai sucht.

Der Bezug zu Thailand kam daher, dass ich dort meine Tauchlehrerausbildung absolvierte und danach regelmäßig für ein paar Monate als Tauchlehrer und später als Staff-Instructor gearbeitet habe. Einige Emails später und drei Wochen nach dem ersten Anruf waren wir in einem Flugzeug nach Bangkok. Im Nachhinein sicher die richtige Entscheidung – ich habe später im Fernsehen in einer Dokumentation gesehen, dass noch Jahre, nachdem wir dort angefangen hätten keine Anbindung an Elektrizität dort bestand. Ich glaube, das wäre auf Dauer nichts für mich gewesen.

Unsere Hotelbasis in Koh Racha Yai war der Traum für jeden Instructor: Top-Location, super Tauchgebiete, tolle internationale Gäste, alles vom Feinsten.

Leider schlug dann am 26.12.2004 der Tsunami zu und zerstörte das Hotel, die Tauchbasis und das Tauchgebiet. Im Anschluss entstand dann erst das eigene Divecenter in Phuket. Schließlich musste es ja auch nach dem Tsunami irgendwie weitergehen. Dort hatte ich die tolle Möglichkeit mit einzigartigen Course Directors zusammenzuarbeiten und habe viel über das Unterrichten anderer Instuctors und das Tauchgeschäft gelernt. Am Ende ging es nach Kota Kinabalu und ich wurde Course Director.

5. Wie war Deine Zeit in Thailand als Tauchschulbesitzer?

Man lernt ein Land und seine Menschen sicher ganz anders kennen, wenn man vor Ort lebt und arbeitet. Das gilt auch für Thailand. Das durchweg positive und freundliche Bild, das die Thais bei den Urlaubern hinterlassen deckt sich nicht immer mit dem, was du erlebst, wenn du dort selbst lebst und man sich mit der Bürokratie auseinandersetzen muss.

Auf der anderen Seite habe ich gerade in der Zeit nach dem Tsunami auch einen großen Zusammenhalt und viel „Miteinander“ erlebt. Wir haben gemeinsam Tauchplätze wiederhergestellt und gemeinsam die schrecklichen Verwüstungen „aufgeräumt“. Das war nicht immer schön, aber hat mich auch mit einer Reihe von Leuten bis heute eng verbunden.

Unterm Strich würde ich sage, habe ich tolle Menschen kennengelernt, habe in einem wunderschönen Land gelebt, konnte eine nahezu perfekte Industrie kennenlernen, in der es mir einfach Spaß macht zu arbeiten und zu leben und ich habe viele unschätzbare Erfahrungen gemacht. Es war eine Erfahrung, die mein Leben geprägt hat und von der ich heute noch oft zehre.

6. Über all die Jahre bist Du PADI als Ausbildungsverband treu geblieben – was ist für Dich positiv am PADI Ausbildungssystem und was glaubst du könnte man verändern?

Einer meiner Lieblingssprüche im IDC ist es, das „PADI“ steht für „Professional Association of Diving Instructors“ und nicht für „Perfect Association“.

Tatsächlich ist es für einen Tauchschüler auf Beginner-Level nicht so wichtig, von welchem Verband sein Brevet stammt. Hier kommt es einzig und allein darauf an, dass er oder sie es mit einem guten Tauchlehrer zu tun bekommt, der gewissenhaft ausbildet, für die fragile Unterwasserwelt sensibilisiert und die Lust auf Mehr weckt.

Für einen Tauchprofi bietet PADI aus meiner Sicht nach wie vor das mit Abstand beste Ausbildungssystem, die besten Materialien und den besten Support. PADI ist nach wie vor Leader im Sporttauchbereich – unterm Strich wüsste ich nicht, wo ich es besser haben würde als Tauchlehrerausbilder.

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7. Als PADI Course Director hast Du es in den letzten Jahren mit einer Vielzahl an Tauchlehrern zu tun gehabt – glaubst Du, dass man mit dem Job als Tauchlehrer heute wirklich noch Geld verdienen kann?

Ich glaube, dass man mit jedem Job, den man gerne und gut macht Geld verdienen kann. Allerdings braucht es als Tauchlehrer neben einer guten und umfangreichen Ausbildung auch die Bereitschaft, dorthin zu gehen, wo getaucht wird.

Wer als Tauchlehrer versucht, irgendwo im Landesinnern, meilenweit entfernt von lohnenswerten Tauchgebieten und der damit verbundenen Infrastruktur und Anhäufung von Tauchern, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, wird es schwer haben.

Und als Tauchlehrer muss man aktuell bleiben. Man muss über aktuelle Entwicklungen Bescheid wissen, sich mit der Unterwasserwelt auskennen, oder über den generellen Zustand der Tauchindustrie Bescheid wissen, ansonsten wird man es schwer haben, dauerhaft akzeptiert zu werden.

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8. Viele Taucher träumen davon als Tauchlehrer die Welt zu bereisen und von dem Klischee „Arbeiten wo andere Urlaub machen“ – glaubst Du das ist realistisch und umsetzbar? 

Absolut! Allerdings muss einem klar sein, dass die Betonung auf „Arbeit“ und nicht auf „Urlaub“ liegt. Aber wenn man das im Hinterkopf behält, hat man in der Tat als Tauchlehrer die Möglichkeit in vielen Urlaubsdestinationen zu arbeiten.

9. Welche Voraussetzungen sollte ein Taucher mitbringen, der gerne Tauchlehrer werden möchte?

Zunächst einmal braucht es eine Leidenschaft dafür, Menschen etwas beizubringen und Erfahrungen zu teilen. Ein guter Tauchlehrer sollte inspirierend sein! Und natürlich sollte er über fundierte Kenntnisse und hinreichende Fähigkeiten verfügen und das PADI System akzeptieren und anwenden.

Mir ist klar, dass immer wieder darüber diskutiert wird, dass die Zugangsvoraussetzungen zum IDC nicht hoch genug sind. 100 Tauchgänge ist nicht was wir als „sehr erfahren“ beschreiben. Dabei bitte ich zu bedenken, dass PADI die Minimalstandards definiert und ich glaube nicht das die Anzahl an Tauchgängen das ist was zählt.

Meine Kandidaten tauchen in der Regel meistens ab ca. 200 Tauchgänge, haben meistens bereits einen anderen Beruf erlernt und möchten ihrem Leben oder zumindest ihrer Taucherei ganz oder teilweise eine neue Richtung geben. Und ich helfe ihnen dabei, genau das umzusetzen.

Und so, wie ich frischen OWDs empfehle, sich an erfahrenere Taucher dranzuhängen und erst einmal Erfahrung zu sammeln bevor sie sich unter Wasser „selbstständig“ machen, so empfehle ich auch frischen Tauchlehrern, zunächst einmal im Team mit erfahrenen Tauchlehrern zu arbeiten, um in diese verantwortungsvolle Position hineinzuwachsen.

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10. Du hast ja wahrscheinlich noch zu einigen Deiner IDC Kandidaten Kontakt die Tauchlehrer geworden sind – was würdest Du sagen wie viele davon dauerhaft in der Tauchbranche arbeiten oder sogar als Tauchlehrer ins Ausland gehen?

Tatsächlich sind es mittlerweile eine ganze Reihe von Kandidaten, die als Tauchlehrer, Basisleiter oder auch Basenbesitzer zum Beispiel in Thailand, auf den Malediven, auf Gozo, auf Mallorca, in Ägypten, in Griechenland, in Spanien und auch in Deutschland hauptberuflich ihr Geld verdienen.

Ich würde mal sagen, dass etwa 30 – 40 % meiner Kandidaten tatsächlich nach ihrer Zertifizierung zum PADI Instructor haupt- oder nebenberufliche Tauchlehrer geworden sind. Für den Rest ist es ein schönes Hobby.

11. Hast du Tipps bezüglich der Finanzierung – gibt es Möglichkeiten für Fördermittel?

Ja. Es hängt aber von der konkreten Situation des Kandidaten ab. Es gibt einige Optionen von Unterstützung von der EU bis hin zu Fördermittel in der eigenen Gemeinde. Wie gesagt – das ist ein weites Feld und ich berate diesbezüglich gerne im Einzelfall. In Deutschland ist „Dive Instructor“ ein anerkannter Beruf und somit können Kandidaten die verschiedensten Fördermittel in Anspruch nehmen um ihren IDC und ihre Ausbildung zu finanzieren. Aber wie gesagt, es kommt immer auf die konkrete Situation an welche Unterstützung man wählen sollte und wie viel Fördermittel man auch bekommt.

12. Kommst Du eigentlich privat noch zum Tauchen und hast Du darauf neben der Ausbildung von Tauchlehrern überhaupt noch Lust?

Ich liebe noch immer das Tauchen. Ich versuche, regelmäßig ins Wasser zu kommen. Aktuell beschäftige ich mich intensiv mit verschiedenen Aspekten des technischen Tauchens – mich reizt es dabei auch, selber immer wieder neues zu lernen.

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13. Hast Du eine Lieblingsdestination zum Tauchen und was war Dein schönstes Erlebnis unter Wasser?

Ich habe keinen Favoriten. Ich komme gerade aus Spanien zurück, wo ich ein paar tolle Tauchgänge im Mittelmeer gemacht habe.

Natürlich sind Sipadan oder auch die Similan Islands in Thailand toll, aber auch ein Tauchgang in der Ruhr, wo ich persönlich wohne, bei dem man ein paar Artefakte aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden hat kann ein tolles Erlebnis sein.

Wenn ich nicht in der Ausbildung arbeite, genieße ich eigentlich jeden Tauchgang den ich mache, und kann jedem Tauchgang irgendetwas ganz spezielles abgewinnen. Auch wenn es nicht jedes Mal etwas Außergewöhnliches zu erleben gibt – ich liebe es noch immer.

Ulf bildet mit seinen IDC’s (Instructor Development Course) in Essen sehr erfolgreich PADI Tauchlehrer aus und sammelte bereits Erfahrungen mit eigenen Tauchschulen in Deutschland und Thailand.

Christian hat seine Ausbildung zum Tauchlehrer, sowie seine Fortbildung zum IDC Staff Instructor bei Ulf Mayer absolviert und seitdem haben sie ständig Kontakt gehalten und auch das ein oder andere Projekt zusammen realisiert

Weitere Informationen über Ulf Mayer findest du auf seiner Webseite – website.